Löring hatte freie Hand und musste kein Possenspiel abziehen wenn ihm die Arbeit seiner Untertanen nicht mehr gefiel. „Ich als Verein musste reagieren“, soll seine Reaktion auf den Rauswurf gewesen sein. Angesichts der Scheinheiligkeit, die Schalkes Vorstandsmitglieder in den vergangenen Wochen an den Tag legten, eine geradezu menschliche Art einen Trainer vor die Tür zu setzen. Verhindern konnte der Patriarch des Südstadtvereins den Niedergang des Clubs mit dieser Maßnahme jedoch nicht mehr. In der gleichen Spielzeit, in der er Schumacher schasste, stieg man ab. Nachfolger Krankl schaffte es lediglich das stadtinterne Duell mit dem FC deutlich mit 4:1 für sich zu entscheiden.
Danach wurde es still um die Person Löring. Finanzielle Probleme seiner Unternehmen und seine Krankheit standen plötzlich im Vordergrund. So kam es, dass dem Verein der Hauptgeldgeber wegbrach und eine sportliche Talfahrt begann, die ihr vorläufiges Ende in der Verbandsliga Mittelrhein fand. Und selbst hier sieht es derzeit eher so aus, als ob die Viktoria, welche am Höhenberg beheimatet ist, das Rennen um den Aufstieg für sich entscheidet. Geblieben ist den Fortuna-Anhängern die Erinnerung an eine sportlich bessere Zeit. Damals als man ein Jahr erstklassig kickte (1973/74) und im DFB-Pokalfinale beinahe den FC Köln in die Knie zwang (1983). Als moralischer Sieger gingen die Spieler des Underdogs vom Platz und vermochten somit wenigstens den Feierlichkeiten des Gegners einen faden Beigeschmack zu verleihen.
Geblieben ist bei einer über 30-jährigen Amtszeit des Präsidenten natürlich auch die ein oder andere Episode. So heißt es, dass Löring ein Spiel als Weihnachtsmann verkleidet besuchte, um seine Platzsperre zu umgehen. „Alles gelogen“ hatte er nach einem vorherigen verlorenen Match auf den Spielberichtsbogen vermerkt. Mittlerweile hat diese Episode neben einigen anderen Erzählungen einen derartigen Kultcharakter erhalten, dass sich der wohl stärkste Supporter-Club der gegenwärtigen Fortuna den Namen “Schäng Gäng“ verlieh. Mit dem Zusatz „im Auftrag des Herrn“ und einem Logo, welches das Konterfei des Ex-Präsidenten ziert, klappern die verbliebenen Unverwüstlichen derzeit die Plätze der Verbandsliga Mittelrhein von Aachen bis Kall ab, um genauso wie ihr Idol alles für den Verein zu geben. Auf der Homepage der Anhänger heißt es „Während also anderswo Fanclubs entstehen, wenn der eigene Verein in die Bundesliga aufsteigt, den UEFA-Cup oder die Champions League erreicht, erblickte die Schäng Gäng das Licht der Welt zu einer Zeit, als in Köln zum wiederholten Male niemand mehr etwas auf die Fortuna gab.“

Tatsächlich könnte man Fortuna Köln rückblickend beinahe als das “Hoffenheim vergangener Tage“ bezeichnen. Denn ähnlich wie bei der TSG war mit Löring eine einzelne Person dafür verantwortlich, dass ein Durchmarsch von der Bezirksliga bis in die Beletage des deutschen Fußballs möglich war. Aufgeregt hat sich hierüber niemand. Im Vergleich zu anderen Großstädten mit zwei Proficlubs war die Fortuna vergleichsweise gut gelitten. Zeitweise amüsierte man sich in der Domstadt zwar darüber, dass die Südstädter regelmäßig auf den hinteren Plätzen der Zuschauertabelle der 2. Liga zu finden waren. Ging es jedoch um Auf- oder Abstieg kehrte auch mancher Geißbock-Anhänger im Südstadion ein, um das Schicksal des kleinen Nachbarn zu verfolgen.
Schaut man sich an, welcher Hass der TSG Hoffenheim derzeit durch gegnerische Fans entgegenschlägt, kann man sich nur schwer vorstellen, dass dieser Verein auf die Schnelle eine ähnliche Anerkennung finden wird. Wie ein Geschwür im gesunden traditionellen Rundledertreten wird Hoffenheim angesehen. Ohne Daseinsberechtigung und mit erkauftem Erfolg. Die Ultras Ulm verliehen ihrem Unmut einst in einer Choreographie Ausdruck. Die TSG sei ein „seelenloses Marketingkonstrukt“ (siehe Fotos).

Vielleicht wachsen hier die neuen Bayern heran und die Leute die dann (bei vorausgesetzter wirtschaftlicher Qualität) kommen werden, sehen vermutlich mehr Siege als Niederlagen ihres Vereins. Doch wer sagt, dass ein neues Bayern München kein erneutes Barcelona erleben kann. Vielleicht sind es sowieso gerade die Schmerzen, die jemand erleiden muss, um Anerkennung zu finden. Bayerns Fans haben ihr Barcelona. Bayer Leverkusen wurde wegen Unterhaching über Nacht zeitweise zum Liebling der Republik. Niemand mochte den verheulten Reiner Calmund verspotten. Ob Dietmar Hopp jemals eine Träne in der Öffentlichkeit vergießt, steht freilich in den Sternen. Aber warum soll bei Hoffenheim alles anders sein?

