Montag, 14. April 2008

"Alles gelogen"

Von Jean Löring behaupteten die Leute früher, dass er in keine Schublade passe. Der in 2005 verstorbene ehemalige Präsident von Fortuna Köln war ein Kölner Original und bei Zeiten ein nicht unbedingt einfaches Gemüt wie Torwartlegende Harald “Toni“ Schumacher erfahren musste. So wurde er als Trainer der Fortunen in der Halbzeitpause des Spiels gegen Waldhof Mannheim (1:5) vom Chef persönlich entlassen. Dem “Schäng“ war es Angst und Bange um sein “Vereinche“ geworden. Da beschloss er keinen Augenblick länger zu warten und teilte dem Vize-Weltmeister kurzerhand mit, dass er in den Arbeitslosen-Status übergegangen war.

Löring hatte freie Hand und musste kein Possenspiel abziehen wenn ihm die Arbeit seiner Untertanen nicht mehr gefiel. „Ich als Verein musste reagieren“, soll seine Reaktion auf den Rauswurf gewesen sein. Angesichts der Scheinheiligkeit, die Schalkes Vorstandsmitglieder in den vergangenen Wochen an den Tag legten, eine geradezu menschliche Art einen Trainer vor die Tür zu setzen. Verhindern konnte der Patriarch des Südstadtvereins den Niedergang des Clubs mit dieser Maßnahme jedoch nicht mehr. In der gleichen Spielzeit, in der er Schumacher schasste, stieg man ab. Nachfolger Krankl schaffte es lediglich das stadtinterne Duell mit dem FC deutlich mit 4:1 für sich zu entscheiden.

Danach wurde es still um die Person Löring. Finanzielle Probleme seiner Unternehmen und seine Krankheit standen plötzlich im Vordergrund. So kam es, dass dem Verein der Hauptgeldgeber wegbrach und eine sportliche Talfahrt begann, die ihr vorläufiges Ende in der Verbandsliga Mittelrhein fand. Und selbst hier sieht es derzeit eher so aus, als ob die Viktoria, welche am Höhenberg beheimatet ist, das Rennen um den Aufstieg für sich entscheidet. Geblieben ist den Fortuna-Anhängern die Erinnerung an eine sportlich bessere Zeit. Damals als man ein Jahr erstklassig kickte (1973/74) und im DFB-Pokalfinale beinahe den FC Köln in die Knie zwang (1983). Als moralischer Sieger gingen die Spieler des Underdogs vom Platz und vermochten somit wenigstens den Feierlichkeiten des Gegners einen faden Beigeschmack zu verleihen.

Geblieben ist bei einer über 30-jährigen Amtszeit des Präsidenten natürlich auch die ein oder andere Episode. So heißt es, dass Löring ein Spiel als Weihnachtsmann verkleidet besuchte, um seine Platzsperre zu umgehen. „Alles gelogen“ hatte er nach einem vorherigen verlorenen Match auf den Spielberichtsbogen vermerkt. Mittlerweile hat diese Episode neben einigen anderen Erzählungen einen derartigen Kultcharakter erhalten, dass sich der wohl stärkste Supporter-Club der gegenwärtigen Fortuna den Namen “Schäng Gäng“ verlieh. Mit dem Zusatz „im Auftrag des Herrn“ und einem Logo, welches das Konterfei des Ex-Präsidenten ziert, klappern die verbliebenen Unverwüstlichen derzeit die Plätze der Verbandsliga Mittelrhein von Aachen bis Kall ab, um genauso wie ihr Idol alles für den Verein zu geben. Auf der Homepage der Anhänger heißt es „Während also anderswo Fanclubs entstehen, wenn der eigene Verein in die Bundesliga aufsteigt, den UEFA-Cup oder die Champions League erreicht, erblickte die Schäng Gäng das Licht der Welt zu einer Zeit, als in Köln zum wiederholten Male niemand mehr etwas auf die Fortuna gab.“



Dieses “Anderswo“ wird für viele Fußballbegeisterte mittlerweile durch die TSG Hoffenheim symbolisiert. Vergleicht man die Historie des Vereins mit der eines Exemplars wie der TSG Hoffenheim, dann spucken viele dieser Anhänger und im Speziellen die Aushängeschilder der Fanszenen, die Ultras, Gift und Galle. Die Tradition einer Fortuna und die damit verbundene Geschichte (und eben beschriebene Geschichtchen) sind mit dem Geld eines Dietmar Hopp nicht zu kaufen. “Tradition muss bleiben“ und Begriffe wie Ehre und Treue sind bekannte Schlagwörter. Ein User aus einem Bremer Fanforum schreibt mit etwas mehr Zurückhaltung „Ich persönlich mag Lautern auch nicht nur ist es einfach scheiße, dass Traditionsklubs am Abgrund sind (Lautern, Darmstadt, Uerdingen, Fortuna Köln, Lübeck) während Retortenklubs wie Hoffenheim aufsteigen....“ Den Blick in die Realität scheut er ebenso wie diverse andere Leute, die ihn in seiner Auffassung unterstützen.

Tatsächlich könnte man Fortuna Köln rückblickend beinahe als das “Hoffenheim vergangener Tage“ bezeichnen. Denn ähnlich wie bei der TSG war mit Löring eine einzelne Person dafür verantwortlich, dass ein Durchmarsch von der Bezirksliga bis in die Beletage des deutschen Fußballs möglich war. Aufgeregt hat sich hierüber niemand. Im Vergleich zu anderen Großstädten mit zwei Proficlubs war die Fortuna vergleichsweise gut gelitten. Zeitweise amüsierte man sich in der Domstadt zwar darüber, dass die Südstädter regelmäßig auf den hinteren Plätzen der Zuschauertabelle der 2. Liga zu finden waren. Ging es jedoch um Auf- oder Abstieg kehrte auch mancher Geißbock-Anhänger im Südstadion ein, um das Schicksal des kleinen Nachbarn zu verfolgen.

Schaut man sich an, welcher Hass der TSG Hoffenheim derzeit durch gegnerische Fans entgegenschlägt, kann man sich nur schwer vorstellen, dass dieser Verein auf die Schnelle eine ähnliche Anerkennung finden wird. Wie ein Geschwür im gesunden traditionellen Rundledertreten wird Hoffenheim angesehen. Ohne Daseinsberechtigung und mit erkauftem Erfolg. Die Ultras Ulm verliehen ihrem Unmut einst in einer Choreographie Ausdruck. Die TSG sei ein „seelenloses Marketingkonstrukt“ (siehe Fotos).



Mit wieviel Herzblut Herr Hopp nun tatsächlich bei der Sache ist, kann kaum ein Außenstehender beurteilen. Wer der Wahrheit ins Auge blickt, kommt jedoch nicht umher zuzugeben, dass es sich immerhin um Hopp’s Heimatverein handelt, den er auch mit einer gewissen Ausdauer unterstützt und an dessen Fortbestehen er ein Interesse zeigt (auch im Hinblick auf die vorzügliche Jugendarbeit), so dass er plötzlich gar nicht mehr so weit von dem Engagement eines Jean Löring entfernt zu sein scheint. Und realistisch gesehen wird erst der Bau der Dietmar Hopp Arena in Sinsheim dazu beitragen, dass Hoffenheim auf Dauer neue Fans gewinnt, die früher zum Einzugsgebiet von z.B. Waldhof Mannheim zählten.

Vielleicht wachsen hier die neuen Bayern heran und die Leute die dann (bei vorausgesetzter wirtschaftlicher Qualität) kommen werden, sehen vermutlich mehr Siege als Niederlagen ihres Vereins. Doch wer sagt, dass ein neues Bayern München kein erneutes Barcelona erleben kann. Vielleicht sind es sowieso gerade die Schmerzen, die jemand erleiden muss, um Anerkennung zu finden. Bayerns Fans haben ihr Barcelona. Bayer Leverkusen wurde wegen Unterhaching über Nacht zeitweise zum Liebling der Republik. Niemand mochte den verheulten Reiner Calmund verspotten. Ob Dietmar Hopp jemals eine Träne in der Öffentlichkeit vergießt, steht freilich in den Sternen. Aber warum soll bei Hoffenheim alles anders sein?

Sonntag, 13. April 2008

Feel the difference

Plakat des DRK zur WM 2006


Werder-Fans beim Nordderby gegen den HSV

Mittwoch, 20. Februar 2008

Wie nett!

Da soll noch einer was von herzlosem Marketingkonstrukt faseln. Die TSG "Hoppenheim" kümmert sich wenigstens noch um ihre (paar) Fans.

Auf nach Dortmund -
Busfahrt, Karte und Schal ab 17 Euro!


Ein Leckerbissen wartet auf alle Hoffenheimer Fußballfans am 26. Februar um 19.00 Uhr. 1899 Hoffenheim gastiert im DFB-Pokal-Viertelfinale im Dortmunder Signal Iduna Park und bietet seinen Fans ein tolles Paket an, dieses Spiel live vor Ort zu erleben.

Achtung: Park und Zustiegsmöglichkeit vom Bahnhof Hoffenheim nach Sinsheim/Schwimmbad verlegt!!

von tsg-hoffenheim.de

Ich habe mir jetzt mal verkniffen, einen Kalauer bezüglich Abfahrtsort und dem möglichen Spielausgang rauszuhauen.

Dienstag, 5. Februar 2008

Wers glaubt...

Den, ziemlich unwahrscheinlichen Sieg, in einem bedeutungslosen Testspiel, gegen eine ersatzgeschwächte deutsche Mannschaft vorausgesetzt, würde ich die fussballbegeisterten Österreicher nicht für so naiv halten, wie das offensichtlich bei deren Nationaltrainer der Fall ist.

"Ein Sieg wäre schlecht für uns, weil ganz Österreich uns dann in den Kreis der Titelfavoriten erheben würde."

(Josef Hickersberger, Nationaltrainer Österreichs)

Donnerstag, 24. Januar 2008

Viva la revision

Vor ewig langer Zeit berichteten die Regelpäpste von Shanklys Erben über einen äußerst kuriosen Fall, der sich im Niemansland der Oberliga Nordrhein zugetragen hat. Hier kann man im Detail nachlesen, was sich zugetragen hat.

Gelesen? Auf das Wesentliche reduziert und aus meiner subjektiven Sichtweise bewertet, würde ich sagen, dass Straelen aufgrund eines zu niedrigen Tores beim Spiel in Dattenfeld, verzweifelt versucht, drei Punkte am grünen Tisch zu ergattern, die ihnen im Kampf gegen den Abstieg sowieso nicht weiterhelfen werden.

Nun hat das auch der DFB bzw. dessen höchste Sportgerichtsbarkeit ähnlich gesehen. Das Spiel wird mit 4:0 für Dattenfeld gewertet. Noch enttäuschter als die Straelener ist hierüber vermutlich nur Erben-Autor Cagney, dessen Vorschlag das Spiel mit 4:4 zu werten, den verantwortlichen Richtern vermutlich zu demokratisch schien.

Torhüter II

Hab ich es nicht gesagt?!

"Normale Menschen gehen nach einer Schulter-OP nach drei Monaten wieder arbeiten. Aber ich bin kein normaler Mensch, sondern Torhüter."

(Tomasz Bobel, Torhüter von Erzegbirge Aue)

Samstag, 12. Januar 2008

Torhüter

“Torhüter und Linksaußen sind bekloppt.“ Diese Floskel ist unter Fussball-Begeisterten weit verbreitet und hat Udo Lattek schon mindestens 1032 Euro im sonntäglichen Literaturkreis für Sportjournalisten “Doppelpass“ gekostet.

Dass diese These wenigstens auf die Torhüter zutrifft, kann ich aus meiner äußerst erfolgreichen Vergangenheit als Ballfänger in der A-Jugend Bezirksliga bestätigen. Da aber zu vermuten ist, dass relativ viele Leute einen feuchten Kehricht um das geben, was ich zu sagen habe, sollen an dieser Stelle einige meiner Ex-Kollegen, belegen, was ich schon immer wusste.

Georg Koch (35), ehemaliger Torwart von Fortuna Düsseldorf, PSV Eindhoven, 1. FC Kaiserslautern, Arminia Bielefeld, Energie Cottbus und dem MSV Duisburg ist seit jeher ein Querdenker und deshalb als Schnapper in Deutschland nicht mehr wirklich gerne gesehen. Deshalb ging er vor dieser Saison zum kroatischen Traditionsclub Dinamo Zagreb, mit denen er zunächst in der Champions-League Qualifikation an Werder scheiterte und anschließend im UEFA-Cup, trotz erheblich leichterer Gegner wie dem HSV, die Gruppenphase nicht überstand. Dennoch schien ihn sein Arbeitsplatz zu faszinieren und dass hauptsächlich aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen. So äußerte er vor dem Spiel in der Hansestadt, dass man auf den Örtlichkeiten im Zagreber Stadion den Schweiß, Urin und Rauch von Generationen rieche. Das fällt selbst den Leuten schwer zu verstehen, die mit den Auswüchsen des modernen Fußballs nicht allzu viel anfangen können. Diese Aussage tätigte Koch im August 2007 und da die kroatische Liga nicht im Mittelpunkt des deutschen Medieninteresses steht, wurde es sehr schnell wieder ruhig um den ehemaligen Nationalmannschafts-Aspiranten. Nun kehrte sein Name zurück in den deutschen Blätterwald. Zwar eher als Randnotiz, aber immerhin hat Carl-Zeiss Jena derzeit offensichtlich Bedarf auf der Position der Nummer 1. Der Wechsel scheiterte letztendlich an der versagten Freigabe-Erklärung aus Zagreb. Trotzdem stellt sich die Frage, warum Georg Koch weg wollte. Etwa weil die Stadiontoiletten saniert werden sollen oder wollte er einfach nur den Rauch ostdeutscher Generationen inhalieren? Oder ist es am Ende so, dass Geld einfach nicht stinkt?

„Ich bin ein Star, holt mich hier raus“. Man hätte vielleicht ein gutes Buch lesen sollen, anstatt sich die Rückkehr des Dschungel-Duells anzutun. Andererseits gebe ich zu, dass ich es ganz lustig fand, DJ Tomekk dabei zuzusehen, wie er von Baby-Aligatoren gebissen wird und in einer Art Duschkabine, Sterne fürs Essen sammelt. Und dann läuft da noch Eike Immel durch die Gegend. 534 Bundesliga-Spiele hat der Mann für Dortmund und Stuttgart absolviert, anschließend als Torwart-Trainer auf verschiedenen Stationen sein Geld verdient. Von seiner aktiven Zeit ist hauptsächlich die EM 1988 in Erinnerung geblieben als er van Bastens Schuss im Spiel gegen Holland passieren ließ und somit das deutsche Halbfinal-Aus mit verschuldete. Als ich wenige Tage vor dem Start der Show die Liste der “RTL-Promis“ durchpflügte, fiel mir wieder Toni Schumachers legendärer Kommentar aus seinem Buch “Anpfiff“ ein, in dem er rund um die “Aktivitäten“ deutscher Nationalspieler beim WM-Trainingslager 1982 am “Schlucksee“ schreibt. „Eike Immel pokerte schon wie ein Süchtiger. Nicht selten sah man wie er sich völlig gerupft auf sein Bett warf“ heißt es da. Bei meiner morgendlichen Lektüre der Tageszeitung am Tag des Starts konnte ich nachlesen, dass es vermutlich tatsächlich Geldprobleme sind, die den Keeper dazu zwingen, gemeinsam mit Bata Ilic Kakerlaken zu grillen, während Marco van Basten irgendwo in Amsterdam Scampi frühstückt.

Der dritte “Bekloppte“ heißt Manuel Almunia und ist dafür verantwortlich, dass Jens Lehmann sich auf seine alten Tage noch mal einen neuen Verein suchen muss. Und nicht genug damit, dass Almunia dem Bundes-Jogi einiges an Kopfzerbrechen hinsichtlich der Besetzung für die Euro 08 bereitet, bietet er sich als Nationalkeeper der Three Lions an. Und spätestens hier hört der Spaß auf. Man kann sich doch nicht einfach für eine Nationalmannschaft ins Gespräch bringen, wo Gordon Banks und Peter Shilton das Trikot mit der 1 übergestreift haben. Es geht doch hier nicht um die Wahl zum Klassensprecher oder der Bestimmung eines Schriftführers für die Jahreshauptversammlung des Tauberzüchtervereins. Ist die englische Fussballseele dermaßen gezeichnet von den Aussetzern der Herren Seaman, James und Robinson, dass man sich fremder Hilfe nicht mehr erwehren kann? Glaubt man der englischen Boulevardpresse kann man diese Frage nur mit einem klaren „Yes“ beantworten.

Drei Torhüter – drei eigene Geschichten. Teilweise belustigend, in anderen Fällen eher beängstigend. Aber wer jetzt voreilig den Stab über eine ganze Zunft brechen will, der sollte sich vor Augen führen, dass ein ehemaliger Mittelfeldspieler, ein Libero und ein Stürmer Jürgen Klinsmann als neuen Bayern-Trainer verpflichtet haben.