Als Fussball-Fan neigt man ja generell dazu, die Niederlagen der Gegner mit Hohn und Spott an Deutschlands Stammtischen zu garnieren. Im Zeitalter des Internets sind die Möglichkeiten sogar noch vorzüglicher. In einem bekannten Bremer Fanforum wurde seiner Zeit der Thread „Dinosauriersterben“ eröffnet, der allen Eingeloggten die Möglichkeit bot, sich über die Misere des HSV auszulassen. Die schönste Freude ist schließlich die Schadensfreude und so verewigten sich die Grün-Weißen mit forsch frechen Analysen, kreativen Fotomontagen und hilfreichen Tipps und Tricks für den durchschnittlichen Zweitliga-Fan.
Dumm ist nur, dass das Urgestein der Liga offensichtlich immer noch keine Lust hat, sich auch mal bei der Unterschicht vorzustellen. Dabei sind Offenbach, Aue und Fürth schon eine Reise wert. Wie dem auch sei, mittlerweile enthält besagter Thread den Zusatz „Wird das noch was?“. Hierzu hat speziell die Heim-Niederlage im Derby ihren Teil beigetragen. Und so sind wir Werder-Fans doch alle etwas vorsichtiger geworden, was Spott und Häme angeht.
Diese neue Vorsicht soll dann auch direkt Bestandteil dieses Blogs sein. Und das obwohl unser zweitliebster Rivale, der FC Bayern, nach dem 30.Spieltag ausreichend Angriffsfläche bietet. Besser sagt bzw. schreibt man Nichts zu der desaströsen Vorstellung beim 0:2 in Stuttgart. Auch sollte man das höchste aller Fan-Gebote beachten „Du sollst Respekt haben vor deines Arbeitskollegen Verein“. Also keine fiesen Sprüche bitte in der nächsten Woche in Richtung des bajuwarischen Kaffetisches. Hinweise darauf, dass der Abstand auf den VfB bereits 5 Punkte beträgt sind nicht erwünscht. Ebenso wenig wie der Hinweis, dass der letzte UEFA-Cup Auftritt bereits 10 Jahre zurückliegt. Es könnte ein ganzes Betriebsklima zerstören. Stattdessen ist in solch einer Situation, die wir als Fans übrigens alle schon durchlebt haben, Aufbauendes gefragt. Und wer jetzt meint mit Schulterklopfen und einem mitleidigen Blick ist es getan, der sollte sich tatsächlich einmal Gedanken machen ob dem Kollegen das weiter hilft.
Ohne zu sehr ins Philosophische abzuschweifen muss doch einmal festgehalten werden, dass schon aus manchem Misthaufen die schönsten Blumen entwachsen sind. Und so sollte man einmal das Positive aufzeigen, was die Bayern aus ihrer Krise mitnehmen können. Überzeugen sie ihren Kollegen, Nachbarn oder Partner davon, dass es ein weitaus traurigeres Schicksal wäre, 1860 München-Fan zu sein, die ihr großes Ziel, die Rückkehr in Liga 1, bereits im dritten Anlauf verfehlen werden. Außerdem weiß wohl kaum ein Bayern-Fan mehr, wie groß die Freude war, als die Mannschaft um den jungen Oli Kahn 1996 den UEFA-Cup nach Hause holte. Veranstalten sie doch ruhig noch mal einen Nostalgie-Abend und verbinden sie diese Gelegenheit damit, ihren Videorekorder zu entstauben und auf Tauglichkeit zu prüfen. Das Tape vom Finalsieg gegen Girondins Bordeaux müsste eigentlich bei jedem echten Bayern-Fan irgendwo zwischen der ausrangierten fleckigen Sofa-Garnitur und dem Karton mit den lustigen Taschenbüchern auf dem Speicher rumfliegen.
Positiv denken ist das Stichwort! Verwenden sie bei der Einzelkritik zu den Spielern andere Formulierungen als sonst. Wenn sie zum Beispiel über Christian Lells Leistung diskutieren möchten, sollte ruhig mal erwähnt werden, dass da „noch Luft nach oben ist“ oder es sich um einen „Perspektivspieler“ handelt. Sie glauben, dass die Mannschaft in den ersten Minuten überrollt wurde. Ich halte es für taktisch klug, den Gegner kommen zu lassen. Vielleicht nicht direkt bis hinter die eigen Torlinie, aber das ist unwichtig.
Und wenn nicht gerade das Phrasenschwein darauf lauert gefüttert zu werden, können sie mit einfachen Standardformulierungen glänzen. Ich nutze da gerne den Klassiker „Hinfallen ist nicht schlimm, man muss nur wieder aufstehen“.
Sie sehen also, dass es relativ einfach sein kann, seine Mitmenschen aufzumuntern und falls Ihnen nach all der gut gemeinten Unterstützung immer noch keine rot-weiße Welle der Sympathie entgegenschlägt, verwenden sie den Muntermacher schlechthin, indem sie behaupten, gestern den Fahrer des Mannschaftsbusses getroffen zu haben, der sich bereits auf die neuen Herausforderungen Dnjepropetrowsk und Almaty freut. Die Innenstädte von Mailand und Madrid kannte er ja bereits aus dem FF.

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