„Ja es ist das, was wir so gern sehen, es lebe hoch das deutsche Fernsehen“, Hape Kerkeling hätte es nicht besser beschreiben bzw. besingen können. Mein alltäglicher Fernsehkonsum beschränkt sich zwar zumeist auf eine geringe Dosis Information (Tagesschau) in Kombination mit einer Masse an Sportsendungen, abgerundet durch ein wenig Fun (Simpsons). Da ich dieses Wochenende jedoch nicht selbst im Stadion war, konnte ich mich nach langer Zeit mal wieder genüsslich im Sessel zurücklehnen und dem DSF-Sonntag-Abend-Fussball-Marathon frönen.
Nachdem die Aufstiegsaspiranten der Zweiten Liga eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatten, dass sie nächstes Jahr ein erstklassiges Kanonenfutter in Liga 1 abgeben werden, folgte die Zusammenfassung vom Spiel unserer Jungs gegen die Hertha. 4:1 wars ausgegangen, das war mir vorher schon bekannt. So hielt sich die Spannung in Grenzen und bis zum ersten Tor konnte ich mich damit beschäftigen, welche Kammer der großen Knabber-Box ich als nächstes leere.
Der erste Erdnussflip fiel mir dann aus dem Mund als Josip Simunic sich für die Hauptrolle im nächsten Karate Tiger Film empfahl. Ein wirkliche hässliche Szene, die Gott sei Dank, ein glimpfliches Ende nahm. Danach konnte man sich wieder den schönen Dingen des Spiels zuwenden. Wie Rosenberg und Diego im weiteren Spielverlauf dem Berliner Bären das Fell abzogen, war soweit ja ganz lustig aber keine wirkliche Überraschung mehr. Vielleicht auch deshalb konzentrierte ich mich nicht mehr so wirklich auf die gezeigten Spielzüge, sondern hatte Zeit mich mit einer, in meinen Augen sehr bemerkenswerten Szene des Spielberichtes zu beschäftigen. Kein Spieler, nein, die Berliner Ultras zeichneten hierfür verantwortlich.
Der DSF-Regisseur ließ Platz für eine etwa 3 Sekunden andauernde Sequenz, die mir einigermaßen Freude bereitete. Dass die Berliner bereits seit längerem ihre selbst angefertigten „Hoeness-Raus“-Schals (oder gibt es die im Fan-Shop?) präsentieren, war mir bekannt. Jedoch hatte ich nicht damit gerechnet, dass ihr Ideenreichtum mich noch einen Tag später beim bloßen Gedanken daran, schmunzeln lassen würde. Der Kommentator kündigte noch an, dass jetzt die Hoeness-Raus-Rufe aus der Hertha-Kurve folgen würden. Dann der Schwenk der Kamera auf den blau-weißen Mob, doch zu meiner Verwunderung schallten nicht die obligatorischen, aggressiven und stakkatoartigen Rufe durchs Olympia-Rund. Vielmehr wurde auf die Melodie unseres „Wir stehn zu dir…“ gesungen. Es klang im ersten Moment so fröhlich und herzergreifend, dass man kaum vermuten konnte, dass hier der Rücktritt des Managers gefordert wird.
Da saß ich nun in meinem Sessel, ziemlich irritiert, die Knabberbox vor der Nase und den neuen Hertha-Rhythmus im Ohr. Statt „wir lieben dich sowieso bis in die Ewigkeeeeeiiiiit“ hieß es “Dieter Hoeness raus, Dieter Hoeness raus, Diiiiiieeeeeeter Hoeness raus“. Gleichwohl die Variante textlich nicht sehr viel zu bieten hat, finde ich die Version durchaus gelungen und an dieser Stelle kann ich bestätigen, dass sie so eingänglich ist, dass ich sie heute Morgen leise im Auto vor mich hingesungen habe.
Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber manchmal sind es gerade die Nichtigkeiten des Fussballs, die mein Herz höher schlagen lassen, in diesem Falle ein neu interpretierter Fangesang. Das ist es, so glaube ich eigentlich, wodurch ich bisher die Freude am Support noch nicht verloren habe. Stumpfsinniges Brüllen der Nachnamen bei der Mannschaftsaufstellung fasziniert doch längst keinen mehr und geht mir ungefähr so nahe wie der Kartoffelpüree, den es heute Abend gab. Ideen aus der Kurve jedoch sind für mich die Fleischzulage zum Einheitsbrei.

0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen