Samstag, 9. Juni 2007

Ausblick

Die Deutschen sind ein Volk der Sammler. Alles, was nicht unbedingt weggeworfen werden muss, landet im Familienarchiv und darf ein unbeutendes Dasein auf dem Speicher oder in feuchten Kellerräumen fristen. Meine Familie bildet da logischerweise keine Ausnahme und so kamen wir letztens noch einmal in den Genuss einer groß angelegten Dia-Show mit der Abfolge „Hochzeit“ – „Flitterwochen“ – „Familienurlaub in Dänemark“. Eine geradezu nostalgische Veranstaltung, die ungefähr im 5-Jahres-Rhythmus regelmäßig auflebt.

Manchmal bin ich aber ganz froh, dass auch bei uns akribisch aufbewahrt wird, was noch in irgendeiner Form von Nutzen sein könnte. Wahrscheinlich nur deshalb bin ich noch in Besitz aller Eintrittskarten von Fussballspielen, die ich seit meinem 8. Lebensjahr besucht habe. (Dass ich hier nur von Spielen der drei obersten Ligen in Fussball-Deutschland spreche und nicht jeder Eintritts-Schnipsel von einem Verbandsligaspiel gemeint ist, versteht sich hoffentlich von selbst). Somit kann ich zu jeder Zeit meine ganz persönliche Statistik nachhalten und in emotionalen Momenten an glanzvolle Auftritte des SV Werder zurückdenken, ebenso wie ich mich daran erinnern muss, dass ich eine Reihe schmerzvoller Niederlagen live miterlebt habe.

Etwas verwunderlich ist meinen Mitmenschen (die meine Leidenschaft für Werder eh nicht nachvollziehen können, ist halt Rheinland hier) die Tatsache, dass ich mir immer noch neue Ziele setze, was den Besuch von Spielen anbelangt. Denn eben mit der vorab beschriebenen Möglichkeit der Hochrechnung wie viele Spiele man auswärts, zu Hause, in der Bundesliga, im DFB-Pokal oder international miterlebt hat, kann man sich selbst vorzüglich anstacheln. Bei mir überwiegt somit beim derzeitigen Blick auf die Heimspiele der Groll. Zu sehr war ich all die Jahre beschäftigt die Stadien in meiner näheren Umgebung abzuklappern, zu desinteressiert waren meine Eltern früher, mit mir nach Bremen zu fahren, zu wenig Geld hatte ich als Schüler/Auszubildender um meine Touren in den Norden selbst zu finanzieren. Aber was wäre ich schließlich für ein Fan, wenn ich nicht alles daran setzen würde, jetzt nachzuholen, was ich früher nicht geschafft habe.


Folglich habe ich mir einen „Schlachtplan“ für die kommende Spielzeit kreiert, der diese statistische Schieflage beseitigen soll. Nächste Saison werde ich mich hauptsächlich darauf konzentrieren, Heimspiele mitzuerleben und pfeife dafür darauf, ein 6. oder 7. Mal nach Dortmund, Schalke oder Leverkusen zu fahren. Das heißt natürlich nicht, dass ich mich nicht darum kümmern werde, einige weiße Flecken auf meiner persönlichen Fussball-Landkarte zu beseitigen.

Und wenn ich es schaffe, jedes zweite Wochenende in Bremen zu verweilen und dazu noch unser Spiel in Cottbus gesehen habe, darf ich mich vielleicht auch „richtiger Fan“ nennen?! Schließlich möchte ich später einmal meine Kinder damit quälen, sich endlose Foto-Serien vom dann „alten Weserstadion“ ansehen zu müssen. Und wenn meine Motivation in den nächsten Jahren gleich bleibend ist, können das laaaaange Abende werden.


*Das Foto zeigt die Eintrittskarte zu meinem ersten Live-Spiel in der Saison 1990/1991 auf dem Lauterer Betzenberg. Das Spiel endete 1:0 für Lautern, Torschütze Guido Hoffmann.