Montag, 15. Oktober 2007

Saturday, sunday



Was war eigentlich am Wochenende?

„Es gibt keine Kleinen mehr.“ Das ist eine abgedroschene Phrase, die eigentlich niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlockt. Es sei denn, man lebt in Weißrussland. Anders als mit dem eingangs beschriebenen Zitat, werden die einheimischen die Schmach vom Wochenende wohl nicht erklären können. Schließlich unterlagen sie in der EM-Qualifikation zu Hause mit 0:1 dem Amateur-Ensemble aus Luxemburg. Dafür gesorgt hat übrigens Alphonse Leweck, der in der 95.Minute für unsere Nachbarn einnetzte. Und weil der durchschnittliche luxemburgische Fussballfan generell eher mit Niederlagen leben muss, dieses Wochenende aber vermutlich von Trois Vierges bis Schengen eine einzige große Party gefeiert wird, lässt es sich der Betreiber dieses Blogs nicht nehmen, ebenfalls zu gratulieren und den größten Erfolg der Verbandsgeschichte mit einem Porträt des siegreichen Teams zu würdigen. Dass es sich bei dem glücklichen Torschützen um einen arroganten Vogel handelt, dem mal ordentlich der Marsch geblasen gehört, ist übrigens ein nicht bestätigtes Gerücht.


Ein ganz kleines Licht im Vergleich zu Luxemburg stellte dagegen unsere Nationalmannschaft mit ihrem kümmerlichen Auftritt gegen Irland dar. Das ist jetzt schon das zweite Unentschieden in dieser EM-Qualifikation und so langsam frage ich mich, ob Jogi Löw tatsächlich der richtige Mann für den Job ist. Schließlich sollte man sich mal daran erinnern, was für einen Müll sich die deutsche Elf vor der WM 2006 zusammengespielt hat und dann, zack, auf den Punkt genau war sie da. Ähnlich verlief es schließlich auch auf dem Weg zu Italia 90 als „Icke“ Häßler als Siegtorschütze beim knappen 2:1 gegen Wales glänzte. Oder 2002 als man sich erst ein Debakel gegen die „Umspülten“ leistete, bevor im Entscheidungsspiel gegen die Ukraine ein souveräner Auftritt zur Quali reichte. Und immerhin sprang der Vize-Weltmeistertitel heraus. Ein richtiges Desaster muss wieder her, um die Konkurrenz in Sicherheit zu wiegen. Die Österreicher machen es da schon richtig. Die bekommen nämlich derzeit so gut wie gar nichts auf die Kette. Allein, bei denen glaube ich tatsächlich, dass sie beste Chancen haben, eine ähnliche Rolle zu spielen wie die Belgier bei ihrer Heim EM 2000. Wer mithelfen möchte, dass es nicht so weit kommt, kann das übrigens hier tun.

Und wo wir schon mal bei Amateuren sind. Nachdem ich Amateur am Wochenende keine Gelegenheit hatte, Bundesliga-Fussball zu inhalieren, führte mich meine, verzweifelt nach Ballsport lechzende Seele zum Verbandspokal. Zwei Spiele an zwei Tagen, jeweils zweimal Landesliga gegen Oberliga auf staubigen Aschenplätzen, mit Bratwürstchen, tiefstehender Sonne, zwei Favoritensiegen, davon einer verdient. Erschreckend und beruhigend zugleich fand ich dabei die Tatsache, dass mir bei beiden Spielen eine Gruppe von Leuten begegnete, die mit den auftretenden Vereinen ebenso wenig zu tun hat wie meine Wenigkeit, offensichtlich aber auch keinen großen Drang verspürte, das herrliche Wetter für Frau und Kinder zu opfern. That’s Fussball. Und das auch an bundesligafreien Wochenenden.