Samstag, 14. Juli 2007

Amateure

Jetzt reicht es! Was für Anforderungen werden eigentlich an einen Eurosport-Kommentator gestellt?

Ich habe mir 40 Minuten der Live-Übertragung von Werders Testspiel gegen den FC Basel angesehen. Ob der Herr hinter dem Mikrofon tatsächlich Sportreporter ist, lässt sich bestenfalls erahnen.

Hier sind auf jeden Fall die Highlights aus 40 Minuten Kommentar durch die verkörperte Inkompetenz.

1. Hugo Almeida ist eigentlich ein Neuzugang, da Werder jetzt die Kaufoption für den seit einem Jahr in Bremen spielenden Stürmer gezogen hat.

2. Der 23-jährige Almeida ist zu kantig, wobei sein Sturmpartner, der wohlgemerkt 24-jährige Rosenberg einfach noch zu jung ist. Deshalb muss und wird Werder auch noch zwei Stürmer holen.

3. Markus Rosenberg ist Däne.

4. Der Hamburger Sanoga hat mal früher 23 oder 24 Tore für Kaiserslautern geschossen. (eigentlich ist wohl Sanogo gemeint, der in der Saison 2005/2006 ganze 10 Tore für Kaiserslautern erzielte, d.Red.).

5. Die Presse ist Schuld am Streit zwischen Frings und Klose, was allerdings kein Streit war. Aber irgendwie müssen die schreibenden Kollegen, die keine Connections bei Eurosport haben, „ja auch irgendwie das Sommerloch stopfen“.

6. Werder wird auf jeden Fall in der Champions-League spielen. Und das obwohl der Gegner noch nicht ausgelost ist (Wer sind schon Fenerbahce, FC Zürich oder Toulouse, d.Red.).

Die Suche

„Wir spielen jetzt mit Viererkette, komm doch mal vorbei“. In Tagen, wo sich allen Ortes die Fussballer, egal ob Profi oder Amateur auf das Wettkampfgeschehen der neuen Spielzeit vorbereiten, reicht mir eine solche Aussage, um meine vorherige Abendplanung über den Haufen zu schmeißen. So sitzt man da zwischen einer spärlichen Anzahl von Zuschauern, die zumeist zum engeren Familienkreis der Spieler gehören, sprich Frau, Freundin oder Eltern. Bestenfalls wird einem dann ein Gespräch von dieser Art Fussballfan aufgezwungen, die bereits das 70. Lebensjahr überschritten haben, von den guten alten Zeiten faseln und mit einer Mischung aus Schadenfreude und Laienkenntnissen von Manuel Neuers Fehler gegen Kopenhagen berichten. Obwohl binnen zweier Minuten gefühlte 38 mal fälschlicherweise von “Michael Neuner“ gesprochen wird, bin ich ungefähr so interessiert daran die älteren Herren in ihren Trainingsanzügen zu korrigieren, wie die Mannschaften auf dem Platz gewillt sind, ein gutes Spiel abzuliefern.

Dass ich überhaupt erschienen bin, ist wohl darauf zurückzuführen, dass ich meinem Freund und Arbeitskollegen zuviel Interesse an seinem Landesliga-Team vorgegaukelt habe und folglich nicht mehr umher kam, die Einladung zum Testspiel ohne schlechtes Gewissen abzulehnen. Außerdem kann man es wohl als eine Art Methadon-Programm bezeichnen, wenn man im Zeitraum zwischen Juni und August eine Vielzahl von Spielen besucht, bei denen die Wahl am Imbissstand zwischen Frikadelle und Bratwurst das eigentliche Highlight der Partie darstellen. Entgegen dem gewohnten Rhythmus sich aneinanderreihender Fussballspiele, ist da im Moment halt ein Sommerloch, das überbrückt werden muss. Erst ab der 2. August-Woche hält die Berechenbarkeit von konstant durchgehenden Liga- und Pokalspielen wieder Einzug in den Terminkalender.

Während die nicht eingesetzten Spieler brav ihre Runden um den Platz drehen und, sofern sie mich kennen, kurz in Richtung Tribüne winken, bin ich mit meinen Gedanken schon wieder beim SV Werder und grübele, ob ich mir, anstelle der Krampferei im Rahmen eines Testspiels zwischen einem Fünft- und Sechstligisten, nicht lieber einen Vorbereitungskick der hanseatischen Profikicker antun soll. Überlegungen, die mir schon oft durch den Kopf gegangen sind. Eigentlich zu oft, denn letztlich weiß ich schon zu Beginn meiner Gedankenspiele, dass ich am Ende mit dem Resultat abschließe, das Geld lieber für die Spiele zu sparen, bei denen meine Unterstützung tatsächlich von Nöten ist und ich nebenbei noch ein Spiel geboten bekomme, bei dem der Ausgang tatsächlich für den späteren Platz in der Tabelle oder den Verbleib im Wettbewerb von Relevanz ist.

Während der Halbzeitpause miste ich den Posteingang meines Handys aus und stoße auf eine Nachricht meines Freundes, der mich durchgängig zu den Werder-Spielen begleitet. „Wollen wir zum Ligapokal? Wenn ja, besorgst du Karten.“ Und für einen kurzen, wirklich nur für einen ganz kurzen Moment meine ich, dass es die richtige Entscheidung war, hierher zukommen. Da der ältere Herr vom Beginn bereits im Vereinshäuschen verschwunden ist, habe ich keinen mehr, dem ich meine neue Erkenntnis beibringen kann. Also resümiere ich für mich selbst, dass ich heute tausendmal lieber mit 20 anderen diesen Kick zweier Kleinstadtvereine verfolge, als dass ich Geld und Zeit investiere um mir den Ligapokal anzusehen. Künstlich aufgebläht und ohne sportliche Bedeutung, attraktiv nur für die Vereine um die Kassen zu füllen, nützlich für Pay-TV-Sender, die verlorene Abonnenten zurückgewinnen möchten. Das sind eigentlich keine Argumente, von denen man sich in Zeiten magerer Testkicks verführen lassen sollte.

Wenn schon Sommerloch und Rumpelfussball, dann auch richtig. „Nein. Ich fahre nicht zum Ligapokal“. Meine Antwort im Ordner „Gesendete Nachrichten“ lösche ich noch nicht.