Montag, 31. Dezember 2007

Eishockey

“Kommt gut nach Hause, rutscht gut rein.” Ich kann mich nicht erinnern, dass das mal jemand zu mir gesagt hat, als ich nach einem Werder-Auswärtsspiel den Gästeblock verlassen habe. Da war die Wortwahl der gegnerischen Fans, je nach Ausgang der Partie, auf Häme und Mitleid (bei Sieg) oder alternativ auf Beleidigungen und Verachtung beschränkt. Beim Eishockey scheint das ganz normal zu sein. Zumindest habe ich es beim Spiel der Kölner Haie gegen die Hamburg Freezers so erlebt. Und tatsächlich ist es ab und zu nicht verkehrt, den Pfad der Eingleisigkeit des Fussball-Supporters zu verlassen, um zu sehen wie es bei anderen Sportveranstaltung auch zugehen kann.

Dass die DEL weitaus kommerzieller aufgezogen wird als beispielsweise die Bundesliga, ist vermutlich damit zu erklären, dass die Verantwortlichen immer mit einem Augen in Richtung NHL schielen und in den 90er Jahren mit plumpen Vorgehen einen Abklatsch der nordamerikanischen Variante hierzulande aus dem Boden stampften. Mittlerweile hat sich das Ganze etwas eingespielt, obwohl die Fans immer wieder mit neuen Unannehmlichkeiten konfrontiert werden.

So fehlt es beispielsweise dem Eishockey-Pokal, der 2007 zum 5. Mal ausgespielt wurde an Akzeptanz. Zum Viertelfinalspiel zwischen den beiden DEL-Teams der Krefeld Pinguine und den Adlern aus Mannheim verloren sich gerade einmal 1.500 Zuschauer in der Halle. Ein vorsichtiger Vergleich zwischen diesem Wettbewerb und dem ungeliebten Ligapokal im Fussball sollte hier erlaubt sein.

Aber mal abgesehen von dem verzweifelten Versuch neben den 52 Vorrundenspielen einen weiteren reizvollen Wettbewerb zu schaffen, wird die Reform der Liga hinsichtlich der teilnehmenden Mannschaften, mit Abschluss dieser Saison umgesetzt sein. Dann sind es zukünftig 16 anstatt 15 Mannschaften, die dem Puck hinterher jagen. Das führt allerdings dazu, dass es diese Saison keinen sportlichen Absteiger geben wird.

Jubelstürme löst das beim derzeitigen Tabellenletzten Füchse Duisburg trotzdem nicht aus. Denn der Präsident äußerte bereits öffentlich, dass es sich wohl um einen letzten Versuch handelt, Eishockey in der Ruhr-Metropole zu etablieren. Und falls nicht noch ein Wunder nach dem Vorbild der Indianer von Cleveland passiert, wird die Lizenz einfach dazu genutzt, an einem anderen Ort der Republik ein ähnliches Projekt mit einem anderen künstlich geschaffenem Team zu starten.

Die Hamburger bilden dabei das Paradebeispiel für den “seelenlosen” Handel mit Eishockey-Lizenzen. Den Verein gibt es nämlich erst seit 2002 und das auch nur, weil sich in München nicht genügend Sportbegeisterte fanden, die zu den “Barons” gepilgert sind. Und siehe da, nach 5 Jahren Existenz verirrte sich sogar eine Busladung Hansestädter in die Domstadt.

Und da standen sie nun. Freitagabends, im Oberrang der Kölnarena und mit ihren Gedanken sicherlich weit entfernt von den vorab angesprochenen Problemen. Hellblaue Jerseys, zugepflastert mit Werbung und versehen mit dem Schriftzug ihres Lieblingsspielers, der zumeist der amerikanisch-kanadischen Ecke zuzuordnen ist. Das Durchschnittsalter der Mitgereisten dürfte irgendwo um die 35 liegen und auch die Frauenquote schien mir sehr beachtlich. Ein kompletter Gegensatz zu dem also, was sich an einem Fußball-Wochenende in schwarzen Kapuzenpullis auf die Reise begibt, um Kinder und alte Leute in fremden Bahnhöfen zu erschrecken. “Bewacht” wurde der Gästeblock übrigens von 2 Arena-Ordnern in gelben Sweatshirts. Erstaunlich ist dies für den erfahrenen Fussball-Stadion-Gänger umso mehr, da sich auf der gegenüberliegenden Seite des Oberranges die kölsche Jugend des “Inferno della nord” tummelt. Das Inferno ist eine Gruppe von etwa 30 jungen Erwachsenen, die irgendwann einmal die Stehplätze hinter den Toren verlassen hat,, um gegen irgendetwas zu protestieren und seitdem nicht mehr (vollständig) auf ihre ursprüngliche Plätze zurückgekehrt ist. Nun fallen sie vor dem Anpfiff der Partie dadurch auf, dass sie geschätzte 15 Doppelhalter in die Luft recken, eine Block- und Schwenkfahne einsetzen, was mich dann doch wieder darauf schließen lässt, dass hier jemand die Fussball-Ultra-Bewegung in eine Halle hineinkopiert möchte. Mein Bild konnte aber nicht durch Zusammenstöße mit den Hamburgern oder der Polizei abgerundet werden, was aber auch daran gelegen haben mag, dass ich den ganzen Abend über keinen einzigen Polizisten im näheren Umfeld der Arena zu Gesicht bekam.

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt. Noch bevor die ersten Wunderkerzen abgebrannt waren, ginge die Haie in Führung und konnten nach den letzten Misserfolgen am Ende durch ein 4:2 drei Punkte einfahren.

Hätten sie verloren, hätte mich das vermutlich auch ziemlich kalt gelassen, so aber konnte man in der Menge von 14.000 Zuschauern, einmal den Erfolgsfan raushängen lassen und so tun als wäre man ein eingefleischter Haie-Fan. Fluchen, jubeln und klugscheissern. Das volle Programm eben, es weiß ja keiner, dass ich in den letzten beiden Spielzeiten ganze 3 Spiele besucht habe.

Samstag, 29. Dezember 2007

Das ist "ultra"

Der Versuch mit Kopfschmerzen etwas Sinnvolles anzustellen, ist ungefähr genauso erfolgsversprechend wie eine Wette zu Gunsten der Harlem Globetrotters.

Also habe ich vor lauter Langeweile den Begriff "ultra" bei wikipedia eingegeben. Und, oh Wunder, ich habe tatsächlich etwas Neues gelernt.

Ultra (von lat.: jenseits; Schreibweise gelegentlich auch: ULTRA) war die Tarnbezeichnung für die nachrichtendienstlichen Informationen, die das britische Militär während des Zweiten Weltkriegs aus der Entzifferung und Auswertung des verschlüsselten geheimen deutschen Nachrichtenverkehrs gewinnen konnte. Der Ausdruck wurde auch vom amerikanischen Geheimdienst so übernommen. Der Name Ultra leitet sich aus der Überlegung ab, dass diese Informationen als äußerst wichtig einzuschätzen waren und unter allen Umständen geheim gehalten werden mussten und somit eine Geheimhaltungsstufe noch über der damals höchstverfügbaren Most Secret (deutsch: Streng Geheim!) geschaffen werden musste. Sie wurden deshalb als „Ultra-Geheim“ klassifiziert.

Sonntag, 9. Dezember 2007

Lokalpatriotismus

Das T-Mobile Radteam ist Geschichte. Bonns bekanntestes Unternehmen hat sich erklärt und möchte zukünftig nicht mehr mit den unsauberen Doping-Machenschaften in Verbindung gebracht werden. Das klingt soweit vernünftig, es bleibt jedoch die Frage, wie das frei gewordene Kapital im Werbebudget zukünftig ausgegeben wird. Die jüngsten Presse-mitteilungen lauten, man habe “ein starkes Standbein im Fußball”. Aber mal ehrlich, wie kann man diese Aussage tätigen und dann tatenlos dabei zusehen, wie der Verein am Firmenhauptsitz in den Niederungen der Oberliga Nordrhein vor sich hin dümpelt? Und wie verhält es sich mit der sozialen Kompetenz? Ein Sponsoring beim BSC wäre das “Weihnachtslicht” für Bonns Fußball-Fans und für die Leidgeplagten weitaus bedeutender als ein neuer Meistertitel der Telekom-Günstlinge aus München. Übrigens hätte meine fixe Idee noch einen angenehmen Nebeneffekt für den “rosa Riesen”. Denn wer den Bonner SC in den letzten Jahren hat spielen sehen, der würde die Kicker bei Leibe nicht mit Doping in Verbindung bringen.