Samstag, 12. Januar 2008

Torhüter

“Torhüter und Linksaußen sind bekloppt.“ Diese Floskel ist unter Fussball-Begeisterten weit verbreitet und hat Udo Lattek schon mindestens 1032 Euro im sonntäglichen Literaturkreis für Sportjournalisten “Doppelpass“ gekostet.

Dass diese These wenigstens auf die Torhüter zutrifft, kann ich aus meiner äußerst erfolgreichen Vergangenheit als Ballfänger in der A-Jugend Bezirksliga bestätigen. Da aber zu vermuten ist, dass relativ viele Leute einen feuchten Kehricht um das geben, was ich zu sagen habe, sollen an dieser Stelle einige meiner Ex-Kollegen, belegen, was ich schon immer wusste.

Georg Koch (35), ehemaliger Torwart von Fortuna Düsseldorf, PSV Eindhoven, 1. FC Kaiserslautern, Arminia Bielefeld, Energie Cottbus und dem MSV Duisburg ist seit jeher ein Querdenker und deshalb als Schnapper in Deutschland nicht mehr wirklich gerne gesehen. Deshalb ging er vor dieser Saison zum kroatischen Traditionsclub Dinamo Zagreb, mit denen er zunächst in der Champions-League Qualifikation an Werder scheiterte und anschließend im UEFA-Cup, trotz erheblich leichterer Gegner wie dem HSV, die Gruppenphase nicht überstand. Dennoch schien ihn sein Arbeitsplatz zu faszinieren und dass hauptsächlich aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen. So äußerte er vor dem Spiel in der Hansestadt, dass man auf den Örtlichkeiten im Zagreber Stadion den Schweiß, Urin und Rauch von Generationen rieche. Das fällt selbst den Leuten schwer zu verstehen, die mit den Auswüchsen des modernen Fußballs nicht allzu viel anfangen können. Diese Aussage tätigte Koch im August 2007 und da die kroatische Liga nicht im Mittelpunkt des deutschen Medieninteresses steht, wurde es sehr schnell wieder ruhig um den ehemaligen Nationalmannschafts-Aspiranten. Nun kehrte sein Name zurück in den deutschen Blätterwald. Zwar eher als Randnotiz, aber immerhin hat Carl-Zeiss Jena derzeit offensichtlich Bedarf auf der Position der Nummer 1. Der Wechsel scheiterte letztendlich an der versagten Freigabe-Erklärung aus Zagreb. Trotzdem stellt sich die Frage, warum Georg Koch weg wollte. Etwa weil die Stadiontoiletten saniert werden sollen oder wollte er einfach nur den Rauch ostdeutscher Generationen inhalieren? Oder ist es am Ende so, dass Geld einfach nicht stinkt?

„Ich bin ein Star, holt mich hier raus“. Man hätte vielleicht ein gutes Buch lesen sollen, anstatt sich die Rückkehr des Dschungel-Duells anzutun. Andererseits gebe ich zu, dass ich es ganz lustig fand, DJ Tomekk dabei zuzusehen, wie er von Baby-Aligatoren gebissen wird und in einer Art Duschkabine, Sterne fürs Essen sammelt. Und dann läuft da noch Eike Immel durch die Gegend. 534 Bundesliga-Spiele hat der Mann für Dortmund und Stuttgart absolviert, anschließend als Torwart-Trainer auf verschiedenen Stationen sein Geld verdient. Von seiner aktiven Zeit ist hauptsächlich die EM 1988 in Erinnerung geblieben als er van Bastens Schuss im Spiel gegen Holland passieren ließ und somit das deutsche Halbfinal-Aus mit verschuldete. Als ich wenige Tage vor dem Start der Show die Liste der “RTL-Promis“ durchpflügte, fiel mir wieder Toni Schumachers legendärer Kommentar aus seinem Buch “Anpfiff“ ein, in dem er rund um die “Aktivitäten“ deutscher Nationalspieler beim WM-Trainingslager 1982 am “Schlucksee“ schreibt. „Eike Immel pokerte schon wie ein Süchtiger. Nicht selten sah man wie er sich völlig gerupft auf sein Bett warf“ heißt es da. Bei meiner morgendlichen Lektüre der Tageszeitung am Tag des Starts konnte ich nachlesen, dass es vermutlich tatsächlich Geldprobleme sind, die den Keeper dazu zwingen, gemeinsam mit Bata Ilic Kakerlaken zu grillen, während Marco van Basten irgendwo in Amsterdam Scampi frühstückt.

Der dritte “Bekloppte“ heißt Manuel Almunia und ist dafür verantwortlich, dass Jens Lehmann sich auf seine alten Tage noch mal einen neuen Verein suchen muss. Und nicht genug damit, dass Almunia dem Bundes-Jogi einiges an Kopfzerbrechen hinsichtlich der Besetzung für die Euro 08 bereitet, bietet er sich als Nationalkeeper der Three Lions an. Und spätestens hier hört der Spaß auf. Man kann sich doch nicht einfach für eine Nationalmannschaft ins Gespräch bringen, wo Gordon Banks und Peter Shilton das Trikot mit der 1 übergestreift haben. Es geht doch hier nicht um die Wahl zum Klassensprecher oder der Bestimmung eines Schriftführers für die Jahreshauptversammlung des Tauberzüchtervereins. Ist die englische Fussballseele dermaßen gezeichnet von den Aussetzern der Herren Seaman, James und Robinson, dass man sich fremder Hilfe nicht mehr erwehren kann? Glaubt man der englischen Boulevardpresse kann man diese Frage nur mit einem klaren „Yes“ beantworten.

Drei Torhüter – drei eigene Geschichten. Teilweise belustigend, in anderen Fällen eher beängstigend. Aber wer jetzt voreilig den Stab über eine ganze Zunft brechen will, der sollte sich vor Augen führen, dass ein ehemaliger Mittelfeldspieler, ein Libero und ein Stürmer Jürgen Klinsmann als neuen Bayern-Trainer verpflichtet haben.